DIE FREIE TRAUUNG
Ausdrucksstark, erlebnisdicht und höchst individuell
– damit trumpfen freie Hochzeitszeremonien. Bisweilen verzaubern sie in ihrer Originalität z.B. als Märchenhochzeit im Glanz von Feen und Rittern oder wenn der Zeremoniar mit Narrenkappe der Gästeschar den Spiegel vorhält.
Doch die meisten Bräute schwärmen vom romantisch feierlichen Liebesversprechen gefeiert auf einem Schloss oder einer Burg. Und weil Priester dort eher selten bereit, bzw. wenn dann an ihre starren Kirchenvorgaben gebunden sind, liegt es beim freien Theologen einen wunderschönen Rahmen zu komponieren und zu dirigieren.
Im Idealfall besticht auch jede Liebeszeremonie mit der gleichen Unverwechselbarkeit wie jede Liebesbiographie einmalig und unvertauschbar ist.
Gewiss braucht man nicht immer das Rad eines beeindruckenden Rituals neu zu erfinden – und doch: jeder Mensch und jedes Paar empfindet eigens.
- Will die Braut klassisch vom Vater dem Bräutigam zugeführt werden, der mit den Gästen wartet, oder wollen beide gemeinsam vor die versammelte Mannschaft treten?
- Will man diesen gegenüber sitzen und ins Gesicht schauen oder sie als Kraft im Rücken wissen, um sich auf das zu konzentrieren, was vorne „gespielt“ wird?
Als freier Priester bombardiere ich zunächst meine Paare mit vielen Fragen. Je mehr sie mir von sich anvertrauen, desto einzigartiger kann ich das zur rituellen und rhetorischen Darstellung bringen, was ihre Liebe nicht nur an diesem Festtag so heraushebt.
Immer neu staune ich über die wundergleichen Geschichten ihres jeweiligen Kennenlernens, höre gebannt, was ihrem Leben Dynamik gibt, über Beruf und Freizeit, über Eigenschaften und Leidenschaften – einfach alles, was der Zeremonie einen roten Faden und der Ansprache Würze und Humor geben könnte.
Manche Paare kommen erst auf den Geschmack, das breite Portfolio der Möglichkeiten einer freien Zeremonie auszukosten, wenn ich davon schwärme, was die Symbole auf meinem Tisch erzählen: eine Hochzeit zum Aschenputtel mit einem Schuh beschrieben mit guten Wünschen, der sagt: es muss einfach passen – wo der Schuh drückt, wird’s gefährlich; ein Pfeil der nicht nur der des Amor ist, sondern das gemeinsame Ziel der beiden anvisiert; zwei Muscheln, die nur dann eine Perle ernten, wenn sie sich öffnen und die Verletzung riskieren; etc.





